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Stärkung des Immunsystems nach TCM
1. Oktober 2025, Elke Sitta
Grundlagen der TCM und ihre Relevanz für die kalte Jahreszeit
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine jahrtausendealte Heilkunde, die den Menschen als Teil des großen Ganzen sieht. Gesundheit bedeutet in der TCM, dass Qi, also unsere Lebensenergie, harmonisch durch die Leitbahnen (Meridiane) fließt und ein Gleichgewicht zwischen Gegensätzen wie Yin und Yang herrscht. Yin steht für das Kühle, Ruhige, Nährende, Yang für das Warme, Aktive und Schützende. Auch die Fünf-Elemente-Lehre – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – gibt Orientierung: Sie ordnen Organe, Jahreszeiten und Emotionen ein, sodass Beschwerden im Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Holz – Leber, Gallenblase. Feuer – Herz, Dünndarm. Erde – Milz, Magen. Metall – Lung, Dickdarm. Wasser – Niere, Blase.
Gerade der Übergang vom warmen zu der kalten Jahreszeit ist aus Sicht der TCM besonders sensibel. Der Körper beginnt, sich nach innen zu kehren, baut Reserven auf und muss seine Schutzenergie – das sogenannte Wei Qi = AbwehrQi, unsere Immunabwehr – besonders stärken. Das Wei Qi schützt wie ein unsichtbarer Mantel gegen äußere Einflüsse, sei es Kälte, Wind oder krankmachende Keime. Die TCM empfiehlt in dieser Zeit gezielt Maßnahmen, um das Wei Qi zu festigen: Dazu gehört eine warme ausgewogene Ernährung, ein ausgewogener Lebensstil (Yin und Yang im Ausgleich) und die ganz bewusste Pflege von Ruhephasen. Ziel ist es, in den Winter hinein nicht mit leerem Energiespeicher zu gehen, sondern gut geschützt und stabil durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Häufige Beschwerden im Herbst/Winter und TCM-Ansätze
Charakteristisch für Herbst und Winter sind aus Sicht der TCM äußere pathogene Faktoren wie Wind, Kälte und Trockenheit. Wenn unser Wei Qi stark ist, können diese Einflüsse uns wenig anhaben. Ist die Abwehr jedoch geschwächt – durch Stress, Schlafmangel, unausgewogene Ernährung oder emotionale Belastung –, können sie in den Körper eindringen und typische Beschwerden auslösen wie Schnupfen, Halsschmerzen, trockene Haut oder ein allgemeines Erschöpfungsgefühl bis hin zu Bronchitis, Lungenentzündung & Co.
Die TCM betrachtet die Prävention als wesentlichen Bestandteil: Statt erst bei Symptomen aktiv zu werden, empfiehlt sie, das Gleichgewicht – die Gesundheit kontinuierlich zu pflegen. Das beinhaltet nicht nur Ernährung, sondern auch den achtsamen Umgang mit Emotionen. Sorgen, zu viel Grübeln oder eine dauerhaft hohe Anspannung können aus TCM-Sicht unser Immunsystem schwächen, weil sie das Qi blockieren. Neben Ernährung und bestimmten Kräutern werden auch entspannende Techniken wie Qigong, Taiji, Meditation oder Akupressur empfohlen. Wichtig: Die Empfehlungen werden immer individuell, je nach Konstitution, angepasst – die Stärkung soll ganzheitlich erfolgen.
Hausmittel und Kräuter in der TCM
Die TCM-Schatzkiste für Herbst und Winter ist groß.
Erkältung im Anmarsch: Es geht darum Wind und Kälte auszuleiten und das WeiQi zu stärken:
Hier spielt z. B. der Ingwer eine zentrale Rolle: Er wärmt, vertreibt die Kälte, regt das Qi und die Abwehr an, fördert die Durchblutung und hilft auch vor allem Menschen, die schnell frieren oder zu Müdigkeit neigen.
- Ein Klassiker ist der Ingwertee: Einige Scheiben frischen Ingwer, mit heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen, den Tee warm trinken und sofort zum Schwitzen ins Bett legen. Man kann auch 2-3 Stängel Frühlingszwiebel (nur den weißen Teil) mit dazugeben: leitet Wind-Kälte aus, besonders auch geeignet, wenn man schon ein leichtes Kratzen im Hals verspürt
- Hollunderblütentee: fördert das Schwitzen, löst das erste Frösteln und Gliedersteifigkeit. 1-2 TL getrocknete Hollunderblüten mit heißem Wasser übergießen, zugedeckt mindestens 5 Minuten ziehen lassen und schluckweise trinken
- Kraftsuppe: Klassiker in der TCM: Hier findest du das Rezept dazu!
Während einer Grippe: Jetzt steht in der TCM das Unterstützen von Körper und Qi im Vordergrund
Mit sanfter, gut verdaulicher Nahrung sowie unterstützenden Pflanzen stärkst du dein Qi und deinen Körper.
- Reis Congee (Stärkende Reissuppe, TCM-Basisrezept): stärkt das Qi, harmonisiert Magen und Verdauung, leicht bekömmlich. Zutaten: ½ Tasse Reis, 1 Liter Wasser, Prise Salz: Reis im Wasser aufkochen und bei niedriger Temperatur 1–2 Stunden langsam köcheln, bis eine schleimige Suppe entsteht. Nach Belieben mit etwas Honig verfeinern oder klein geschnittenem Apfel und einer Prise Zimt ergänzen. Hier findest du ein weiteres Rezept dazu!
- Lindenblüten-Salbeitee (heimisch, schweißtreibend): Schweißtreibend (Linde), antivirale Unterstützung für Hals und Schleimhäute (Salbei). Zutaten: 1 TL Lindenblüten, 1 TL Salbei, 250ml Wasser. Mit heißem Wasser übergießen, abgedeckt 8–10 Minuten ziehen lassen, lauwarm trinken.
- Pfefferminztee: wirkt kühlend
- Birnenkompott: befeuchtet die Lunge und lindert trockenen Reizhusten. Zutaten: 1 reife Birne, 1 TL Honig, 1 EL gehackte Mandeln, etwas Wasser. Birne würfeln, mit wenig Wasser weich dünsten. Honig und Mandeln dazugeben. Warm genießen.
Nach der Erkältung/Grippe
- Kraftsuppe / Hühersuppe mit Wurzelgemüse und Petersilie: Kräftigt Qi und Blut, nährend nach zehrenden Infekten. Petersilie unterstützt Nieren-Yang und die Erholung.
- Tee aus Hagebutten, Brennessel und Gojibeeren: Vitamin-C-reich, unterstützt Blutaufbau, stärkt das Immunsystem, Hagebutte und Gojibeere ergänzen heimische und TCM-Komponenten.
In allen Phasen gilt: Viel warme Flüssigkeit zuführen, auf Ruhe achten, Mahlzeiten leicht verdaulich halten.

Weitere Kräuter oder Gewürze
- Astragalus (Huang Qi, Tragantwurzel) wird ebenfalls häufig empfohlen. Er stärkt nach TCM die Abwehr, kann als Tee oder in Brühen verwendet werden – zum Beispiel als Basis für eine Immun-Suppe.
- Ein weiteres klassisches Hausmittel ist Zimt: Er wärmt von innen und wird gerne bei Kältegefühlen und schwachem Immunsystem in Tees oder Speisen verwendet.
- Süßholz beruhigt den Hals, schützt die Schleimhäute und wirkt leicht entzündungshemmend.
❗Wichtig bei der Selbstanwendung: TCM hält wenig von pauschalen Rezepten. Was für den einen passt, kann für den anderen ungeeignet sein – etwa bei starker innerer Hitze (z.B. Nachtschweiß, rote Wangen) sollte man wärmende Zutaten mit Bedacht einsetzen. Bei anhaltenden, schweren Beschwerden oder chronischen Krankheiten sollte unbedingt ein TCM-Arzt konsultiert werden!
Praktische Tipps zur Vorbereitung auf Herbst/Winter
Der Wechsel in die kühle Jahreszeit ist die Zeit der warmen Speisen. TCM-Klassiker sind Porridge oder Hirsebrei am Morgen, dazu gekochtes Obst und wärmende Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Nelken. Mittags und abends empfehle ich Suppen mit Wurzelgemüse, Süßkartoffel, Bohnen oder Linsen, begleitet von Reis oder Buchweizen. Auch Eintöpfe, sanft gegartes Fleisch oder Fisch sowie saisonales Gemüse wie Kürbis, Pastinake und Rote Bete sind jetzt perfekt.
Rohkost, Joghurt, eiskalte Speisen oder Smoothies dagegen kühlen das sogenannte Verdauungsfeuer (Yang im Magen) und sollten im Herbst/Winter gemieden oder zumindest reduziert werden.
Darüber hinaus ist es wichtig, regelmäßigen und erholsamen Schlaf zu pflegen – am besten zu festen Zeiten. Auch kleine Pausen, bewusste Atmung und Bewegung – z.B. Qigong oder leichte Spaziergänge an der frischen Luft – helfen, das Qi im Fluss zu halten und die Stimmung aufzuhellen.
Ein Morgenritual: Nach dem Aufstehen warmes Wasser trinken, Meridiandehnen und Meridianklopfen, um das Qi und das Wei Qi zu aktivieren. Ohren und Fußsohlen massieren oder eine kurze Meditation helfen, zentrierter und energiegeladen in den Tag zu gehen.
Moderne Perspektive: Kombination von TCM, Hausmitteln und westlicher Medizin
Das Zusammenspiel von TCM, bewährten Hausmitteln und der modernen Medizin bietet große Vorteile. Beispielsweise kann die TCM helfen, die Grundkonstitution zu stärken und den Körper auf Belastungen vorzubereiten, während die Schulmedizin vor allem bei akuten oder schweren Erkrankungen unerlässlich bleibt. Gerade bei Immunschwäche, häufigen Infekten oder zur Unterstützung bei chronischen Beschwerden kann eine integrative Herangehensweise wirkungsvoll sein.
Dennoch ist Vorsicht geboten: Die TCM kennt klare Warnsignale, wann ausschließlich ärztliche Intervention nötig ist – etwa bei sehr hohem Fieber, starker Atemnot oder anhaltenden Schmerzen. Manche Kräuter können zudem Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Daher ist es ratsam, sich immer umfassend beraten zu lassen und beide Systeme mit Respekt zu nutzen.
Empfehlungen
Zusammengefasst würde ich dir auf den Weg geben:
- Iss jetzt warm, bunt und regional: Gekochte Mahlzeiten, Suppen, Eintöpfe, Kompott – so stärkst du jetzt schon (im Spätsommer) die Mitte und gibst dem Immunsystem Energie.
- Achte auf bewusste Rituale: Ob ein warmes Getränk morgens, eine kleine Bewegungseinheit oder Entspannungsübungen – all das hilft, Kraft und Ruhe gleichzeitig zu tanken.
- Schaffe dir regelmäßige Ruhezeiten: Guter Schlaf und kleine Pausen im Alltag sind nach TCM das Fundament, damit das Qi sich regenerieren und die Abwehr stärken kann.
- Individuelle Stärkung des Immunsystems: gehe zu einem TCM-Arzt oder TCM-Therapeuten und lasse dich individuell beraten, was du tun kannst, um dein Immunsystem aufgrund deiner Konstitution zu stärken.
Bleibe achtsam und gönne dir und deinem Körper besonders viel Fürsorge – das zahlt sich über den ganzen Winter hinweg aus!